Gruppenbild

Überraschenderweise wurde der Rundgang durch die Schule zu einer  Reise in Vertrautes:  hinter der gläsernen Eingangstür unverändert die schwarze Wendeltreppe sowie die an langen Kabeln von der Decke hängenden, weißen Glaskugellampen, zeitlos und elegant. Da störte es kaum, wenn der Zustand des Anstrichs das frühere Weiß nur noch erahnen ließ. Es sei verblüffend, wie wenig sich außerhalb des neu angebauten Gebäudeteils verändert habe, stellten die Besucherinnen fest. Zwar sind Klassenräume verlegt und neu eingerichtet, die Fachräume grundlegend technisch modernisiert worden, aber die Bodenfliesen in den Fluren, die Wandfresken, die Farbigkeit insgesamt, waren allen vertraut. Vertraut auch im Musikraum der schwarze Ibach-Flügel, ein Geschenk der Verlegerfamilie Butz an die Schule ihrer Töchter, der darauf gewartet zu haben schien, noch einmal den Gesang der Ehemaligen begleiten zu dürfen…

Erinnerungen wurden ausgetauscht, an harmlose Streiche oder an Kuriositäten aus heutiger Sicht, wie z.B. den obligatorischen Knicks bei der Überreichung des Abiturzeugnisses. Die damals, 1967,  im Geschichtsunterricht heiß diskutierten, aktuellen politischen Ereignisse, wie der Besuch des Schahs von Persien in Deutschland, die Proteste und der Polizeieinsatz, der zum Tod des Studenten Benno Ohnesorg führte, wurden wieder lebendig. So sah die Geschichtslehrerin in einzelnen Schülerinnen schon die zukünftigen Revolutionärinnen, als sie provozierend feststellte: „Sie würden wohl auch am liebsten mit Mehltüten auf Politiker werfen, nicht wahr?“ Selbstverständlich konnten die Abiturientinnen sich das nicht vorstellen.

Doch die Ehemaligen waren nicht die einzigen, die an diesem Samstag durch die Schule geführt wurden. Es kreuzten sich gelegentlich ihre Wege mit denen einer jungen Truppe, denn das Gymnasium empfing am selben Tag die Schülerinnen und Schüler der zukünftigen 5. Klassen im Rahmen eines Schulfestes. Das lebhafte Treiben versetzte die Abiturientinnen von 1967 schließlich wieder in die Gegenwart. Sie verabschiedeten sich ohne Heimweh nach den früheren Zeiten und wünschen ihrer alten Schule noch viele erfolgreiche Jahre.

Hagen, den 08.07.2017

gez. Marlies Finkeldei-Marx